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Analoge Synthesizer, umschlungen von einem Kabelsalat und flankiert von akustischen Perkussionsgerätschaften. Dazu gesellt sich eine die Intonation leicht verzerrende Stimme. Eine Formation, die man in einer solchen Zusammensetzung nicht oft zu hören bekommt. Gaia, sie klingen neu, anders und intensiv. Durch die Art und Weise entsteht eine ganz eigene Sound-Ästhetik. Die Band hat sich in den letzten vier Jahren vor allem als Live Band einen Namen gemacht. Nun folgt endlich der erste Release. Ihre EP „Howl“ feiert am 29. Januar 2016 ihre Plattentaufe im Südpol.
hörperlen hatte das Vergnügen, sich mit Flavio Steiger, dem Mann mit der grossen Synth-Affinität und bei Gaia zuständig für den Gesang, über ein aufstrebendes und innovatives Bandprojekt zu unterhalten.

 

hörperlen: Wir starten mit einer Frage, die mich schon immer Wunder genommen hat. Wie seid ihr auf den Bandnamen Gaia gekommen? Ich hab natürlich ein bisserl recherchiert. Gaia sei ja in der griechischen Mythologie die Gottheit der personifizierten Erde und eine der ersten Götter, die dem Chaos entsprungen ist. Im indogermanischen Sinne steht Gaia auch für die Gebärerin oder als die Muttergottheit. Wie ist das, bezogen auf eure Musik, zu deuten?
Flavio Steiger: Die Deutung überlasse ich gerne dir! Sie betrifft nämlich genau den Aspekt der Musik, den wir nicht mitgestalten können, der uns aber viel über uns selber verrät: Was assoziieren die Menschen mit unseren Klängen?
Im Bezug zu unserer Musik ist natürlich spannend, dass Gaia aus dem Chaos entstanden ist. Der erste Track der EP Goddess spielt da auch ein bisschen darauf an. Noises, also nicht Klänge im herkömmlichen Sinne, sondern Rauschen oder Soundeffekte, spielen in unserer Musik eine wichtige Rolle. Damit beginnt die EP, mit dem Chaos, aus dem dann Gaia entspringt. Wir waren damals auf der Suche nach einem greifbaren Namen, der unabhängig der Sprache funktionieren sollte. Und wir sind begeistert von Synthesizern. Da tragen viele mythologische Namen, etwa ARP Odyssey oder Roland Jupiter. Und zufälligerweise, heisst auch ein Synthesizer von uns Gaia.

H: Eure Zusammensetzung ist ja nicht ganz alltäglich. Wie und wann hat sich eure Band in der momentanen vierköpfigen Konstellation formiert?
FS: Angefangen haben wir zu dritt, Florian, Silvan und ich. Zu viert sind wir seit Ende 2012. Da stiess unser Perkussionist Lukas dazu. Uns lag viel daran, die rhythmischen und perkussiven Elemente, die mit dem Schlagzeug natürlich bereits vorhanden waren, weiter auszubauen. Sie ergänzen das Klangbild der Synthesizer optimal. Besonders live merkt man, wie sich Schlagzeug und Perkussion gegenseitig antreiben.

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H: Flavio, du bist ja ursprünglich Gitarrist. Woher kommt deine Faszination für analoge Synthesizer und welche Möglichkeiten schätzt du an diesen Instrumenten besonders?
FS: Bei uns kommen ja beide Synthesizeure von den Saiten. Silvan spielt noch Bass und Saxophon. Für mich ist es einfach unglaublich faszinierend, wie man mit Synthesizern Klänge gestalten kann. Tiefe, körperbetonte Bässe, blecherne Mehrklänge oder kreischende Leads. Es hört nie auf. Man hat Vorstellungen und versucht sie zielgerichtet umzusetzen oder man spielt einfach rum. Viel passiert auch per Zufall. Kevin Parker von Tame Impala hat es meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht, wenn er sagt, dass eine Gitarre immer nach einer Gitarre klingt und ein Synthesizer immer anders, wie von einer anderen Welt. Die Gitarre hat den Vorteil der Haptik, man spürt die Saiten direkt. Sie wird dadurch aber auch fassbarer. Beim Synth spürst du seine einzelnen Komponenten nicht. Er wirkt immer irgendwie fremd. Das ist für mich faszinierend.

H: Die technische Architektur euer Musik ist ja, kurz gesagt, hochkomplex. Bis da alles aufgestellt, verkabelt und synchronisiert ist, braucht es zeitlich sowie logistisch ganz schön viel Aufwand …  ich kann mir vorstellen, dass das je nach dem ziemlich nervenaufreibend sein kann. Wie kommt ihr mit diesem Prozedere inzwischen zurecht oder ist das schon Routine?
FS: Ich hoffe, es wird einmal Routine. Die Beziehung zur Technik ist sehr ambivalent. Sie bietet viele Möglichkeiten, macht aber auch gleichzeitig abhängig. Wir haben unser Setup über die Jahre laufend erweitert und die bevorstehenden Konzerte werden zeigen, ob wir nun am Ziel angekommen sind. Aber ja, es braucht schon Nerven, wenn das System einmal nicht so will wie wir. Da sucht man dann teilweise lange nach dem Fehler. Teilweise sind es Macken der Geräte, teilweise sind wir aber auch einfach zu blöd.

H: Mittlerweile habt ihr renommierte Clubs wie Fri-Son oder Südpol, aber auch Festivals wie M4Music, Funk am See oder B-Sides beehrt. Ihr scheint angekommen zu sein, in der Schweizer Musiklandschaft. Wie kam es dazu, dass ihr, abgesehen von zwei Musikvideos, ohne irgendeine offizielle Veröffentlichung eine derartige Bekanntheit erreicht habt?
FS: Da haben wir uns auch schon gewundert! Anscheinend gefällt es den Leuten. Wir staunten teilweise aber auch selber, dass wir an den Orten spielen konnten. Was mit Mund-zu-Mund-Propaganda möglich war, haben wir wohl erreicht. Es braucht aber auch immer Leute, die uns unterstützen. Zuallererst das Publikum, aber natürlich auch die Veranstalter. Der Schein trügt aber auch ein bisschen, denn es ist nach wie vor nicht einfach Konzerte spielen zu können, besonders ausserhalb von Luzern. Da hilft uns aber die EP sicherlich. Zudem haben wir mittlerweile mit Kilian Mutter bei Just Because einen guten Booker.

H: Nach vier Jahren Live-Performance folgt nun der erste Studio-Wurf. Was erwartet uns in der neuen EP „Howl“? und wie hat sich denn eure Musik von den Anfängen bis zur ersten EP in diesen vier Jahren entwickelt?
FS: Die ersten Reaktionen haben gezeigt, dass die Leute schon ein bisschen überrascht sind von der EP. In den Anfängen spielten wir reine Improvisationen. Nach und nach kam dann mehr Struktur rein. Wir suchten immer weiter nach einem Sound, der unserer Formation liegt und uns auf der Bühne Spass macht. Schlussendlich verlieh der Einsatz von Gesang der Musik eine Prise Pop. Die EP konzentriert sich jetzt auf konkrete Songs, allesamt mit Gesang. Ich glaube, die Single Thick Pine Woods gibt eine gute Vorschau ab. Trotzdem wollen wir uns nicht diesem Pop-Zugang verpflichten. Unser Live-Set ist immer noch eine Mischung aus verschiedenen Dance-Genres.

H: „Howl“ erscheint auf dem Label Red Brick Chapel, welches bereits einige talentierte Musiker unter sich hat. Was zeichnet dieses junge Label aus Zürich aus und wieso arbeitet ihr mit ihm zusammen?
FS: Das Kollektiv Red Brick Chapel bietet eine prima Plattform für uns. Es ist in Entwicklung und trotzdem auf dem Stand der Dinge. Wir haben alle Freiheiten und können von den Erfahrungen der anderen profitieren. Ohne Label wäre ein professioneller Release unmöglich. Da steckt viel Wissen und Administration mit drin. Ein Dank an dieser Stelle! Es gibt übrigens eine Labelnacht am 11. Februar im Papiersaal in Zürich.

H: Was denkt ihr, welchen Einfluss kann die EP Howl für die Zukunft haben? Ich könnte mir da  vorstellen, dass bei euch so richtig die Post abgeht …
FS: Das wir auch so sein. Zuallererst am 29. Januar an der Plattentaufe im Südpol. Das wird eine richtig grosse Show. Danach haben wir weitere Konzerte bestätigt und es kommen sicherlich noch einige dazu. Im Sommer Festivals zu spielen wäre natürlich sehr geil. Wir werden sehen.

H: Wie soll sich euer Sound in Zukunft weiterentwickeln, schwebt euch schon etwas Konkreteres vor? Könntet ihr euch vorstellen, eure Musik durch weitere Instrumente und Klangfarben oder sogar andere Musiker anzureichern?
FS: Ich schliesse mal nichts aus, aber die Formation ist im Moment schon fix. Mit Synthesizern ist es so ein Ding: Man kann eigentlich nie genug davon haben. Und mit jedem Synthi wird auch der Sound beeinflusst. Aber auch als Band entwickelt sich unser Sound bestimmt weiter. Die Beats auf der EP sind etwa reduzierter als vorher und die Aufgabenverteilung klarer. Oder vielleicht spielt ja Silvan mal sein Saxophon.

H: Auf Facebook wurde eure Zuhörerschaft Ende Dezember dazu aufgefordert, im neuen Videoclip von euch mitzumachen. Die Rede war von viel Epik und Slow Motion. Eure bisherigen zwei Musikvideos zeigen euch vor allem in musikalischer Aktion. Was und welcher Track wird im neusten Video mit bewegten Bildern untermalt?
FS: Das Video wird zum Track Howl sein. Für einmal sieht man nicht nur uns beim Spielen, sondern auch zwei Schauspieler und eine Schauspielerin. Aber wie fasst man Bilder in Worte? Am besten einfach mal ansehen. Es kommt nächste Woche raus!

H: Uns ist zu Ohren gekommen, dass ein Bandmitglied für das Konzert im Südpol einen exorbitanten Stunt geplant hat. Es wird gemunkelt, dass dieser Stunt in einem Engelskostüm über die Bühne fliegend ausgeführt wird …. ist da was dran?
FS: Das schöne an der Plattentaufe ist, dass die ganze Band bis auf den musikalischen Aspekt nicht weiss, was passieren wird. Unser fünftes Bandmitglied, der Mischer und Techniker Samuel Leber, organisiert die Bühne und das Licht. Wir haben schon mitbekommen, dass es das eine oder andere Special geben wird, wissen aber auch nicht genau, was uns da konkret erwartet. Die Bühne wird aber sicherlich extra für das Konzert gebaut und es werden alle verfügbaren Scheinwerfer des Südpols an der Decke hängen.

H: Das klingt nach einem audio-visuellen Feuerwerk, da freuen wir uns drauf! Zum Schluss noch ein wenig Werbung in eigener Sache: Nach dem EP-Release sind ja, wie bereits schon angesprochen, noch einige Konzerte angesagt. Falls man die Plattentaufe verpasst, wo kriegt man euch sonst noch zu hören?
FS: Wie gesagt am 29. Januar im Südpol, am 30. Januar im Diogenes in Altstätten. Am 11. Februar dann die Labelnacht im Papiersaal in Zürich und Anfang März in Basel, Baden und Wolhusen. Am besten einfach mal einen Blick auf unsere Website werfen!

H: Besten Dank für deine Zeit Flavio. Wir lassen uns von eurer Show im Südpol überraschen!

Mehr über Gaia gibt es hier:
www.gaiaband.ch
www.redbrickchapel.ch
www.justbeacause.ch

Tickets Verlosung!
hoerperlen.ch verlost für EP-Taufe von Gaia zwei Tickets. Um diese zu kriegen, sei eine kleine kognitive Anstrengung seitens der Interessierten erlaubt: Ein plausibles Argument, wieso Gaia euch zum Tanzen bringt!

Eine herausstechende Argumentation und ihr seid dabei am 29. Jänner im Südpol! Die Antwort ist an kontakt@hoerperlen.ch zu richten. Einsendeschluss ist der 25. Januar 2016.

Der EP-Release von Gaia komplettiert ein Südpol-Musikwochenende allererster Güte. Am Tag danach steigt der hörperlen Budenzauber #4 mit Fjörn & Branz, Nico Sun, Tim Swimmingpool und eulenatelier!